INTERVENTION IM RAHMEN DES PROGRAMMS DES KUNSTVEREINS BELLEVUE-SAAL:
Am 29. Juni wurde der Fluxusbaum mit einem Umzug vom Kunstverein Bellevue-Saal in der Wilhelmstraße 32 ausgehend bis zur Pflanzstelle in der Friedrich-Ebert-Allee mit einer Gießaktion eingeweiht. Die Aktion wurde begleitet von der Künstlerin Marie Luise Gruhne, einer Tänzerin und einem Tänzer, dem Vorstand des Bellevue-Saals und der Öffentlichkeit.
Hinter der Pflanzung des FLUXUSBAUMES und seiner „Umarmung“ steht für Marie Luise Gruhne die
Überlegung, mit der davon ausgehenden Wirkung den Fokus auf die Kraft der Natur zu richten:
Naturgesetzliches als etwas von Dauer hinter den von uns Menschen gemachten, dem Wechsel der
Zeiten unterworfenen Parallelgesetzen und Regeln. Ein junger Baum als Ausdruck von Hoffnung
innerhalb der aktuellen öffentlichen Diskurse oder auch als Impuls für einen Aufbruch und eine neue
Sicht auf die Zusammenhänge – heraus aus gewohnten Frames in Anknüpfung an ihre Fluxus-
Schredderaktion im Bellevue-Saal im Kunstsommer 2023.
Die Idee der Partizipation in Fluxus, der demokratisierenden Teilhabe der Öffentlichkeit an
künstlerischen Prozessen so auch an einem soziokulturellen Diskurs, setzt die Künstlerin nach ihrer
Performance 2023 im Bellevue-Saal anlässlich FLUXUS SEX TIES in diesem Projekt nun fort.
Die Installation „Umarmung“ verbleibt dort 5 Jahre bis zum Abbau des Dreierbockes.
DIE GESCHICHTE ZUM BAUM
Projektentwicklung und Anknüpfung
Aufbruch und Neuanfang
In einer Bewegung zwischen Inszenierung und Zufall, zwischen Absicht und Absichtslosigkeit
markierte die Performance "shred and clean up“ von Marie Luise Gruhne im Kunstsommer 2023
anlässlich FLUXUS SEXTIES den Dialog eines Ausstieges einer Künstlerin und eines Musikers aus
traditionellen Kategorien und Regeln im Wechsel von Fortschritt und Rückfall.
https://www.youtube.com/watch?v=bHOIZV3sFxs. Altes, Gewohntes – Kunstbegriffe, alte Konzepte,
Musiknoten, Regeln, Erwartungen, Frames (auch jene durch Fake News wirkenden) in Schriftstücken
oder Musiknoten manifestiert, wurden in der Performance im Kunstverein Bellevue-Saal
geschreddert und schließlich zusammen mit dem Publikum in einer Raum greifenden Aktion
weggekehrt.
Nach diesem Aufbruch stand die Frage nach etwas von Dauer im Raum. Nach etwas, dessen Existenz
eigene, nicht kulturell bedingte Auswahlmechanismen, Kategorien oder Regeln zur Grundlage hat.
Das Ergebnis war der Verkauf des Geschredderten und die Ankündigung der Künstlerin, von dem
Erlös, die Pflanzung eines Baumes in Wiesbaden zu finanzieren, verbunden mit seiner Feier in 2024,
zusammen mit den Besucherinnen und Besuchern der Performance und der Öffentlichkeit.
Der FLUXUSBAUM war entstanden.
Sinnbildlich stand der junge Baum in diesem Konzept für einen Neuanfang: Der Gedanke der
Würdigung von Natur, so auch des Schutzes ihres Wachstums führte bei Marie Luise Gruhne zu der
Idee, im Zusammenhang mit seiner Pflanzung um den Dreierbock, den junge Bäume zu Ihrer Stütze
erhalten, eine „Umarmung“ als Installation herumzuführen.
Realisation
Mit diesem Konzept kam es zu einer Anfrage beim Grünflächenamt in Wiesbaden wegen eines
Platzes, der Pflanzung wie auch den Kauf des Baumes. Das Grünflächenamt reagierte mit dem
Angebot, den FLUXUSBAUM in der Kulturmeile Wiesbadens, der Friedrich-Ebert-Allee, schräg
gegenüber dem Hessischen Landesmuseum Wiesbaden zu pflanzen.
Am 18. März 2024 war es dann soweit, der Fluxusbaum wurde gepflanzt! und am 29. Juni 2024 bei
sommerlichen Temperaturen feierte die Öffentlichkeit den ersten Blattwuchs des Baumes an dieser
Stelle:
Das Opening für die Aktion fand vor dem Kunstverein Bellevue-Saal statt. Von dort aus gab es einen
Umzug, der von einer Tänzerin und einem Tänzer begleitet, zum FLUXUSBAUM in der Friedrich-Ebert-
Allee hinführte. Über die durch den Bellevue-Saal geladenen Gäste hinaus, zog der gesamte Umzug
interessierte Passanten – Erwachsene und Kinder – in der Wilhelmstraße mit sich auf den Weg zum
FLUXUSBAUM. Die Künstlerin Marie Luise Gruhne, die Tänzerin Ioulia Kokkokiou, der Tänzer Anton
Rufakov und ansonsten Teilnehmende zogen einen Leiterwagen hinter sich her mit großen und
kleinen Gießkannen.
Angekommen an der Pflanzstelle, eröffneten Tänzerin und Tänzer – aus einer getanzten Umarmung
heraus – die „Umarmung“ des FLUXUSBAUMES. Mit einem gemeinschaftlichen Gießen des Baumes
wurde der Baum feierlich in das Grün der Stadt Wiesbaden aufgenommen.
Das Grünflächenamt Wiesbaden stellte zu diesem Anlass – in Anknüpfung an das erfolgreiche
Pilotprojekt „Grünflächenamt stellt Wassercontainer zum Gießen“ – als Reaktion auf die Trockenheit
der Bäume in Wiesbaden – am 29.06.24 einen Wassercontainer mit Brauchwasser zur Verfügung.